Die Neuapostolische Kirche Schweiz

Chronik Zusammenfassung

Im Jahre 1900 kam von Augsburg her der Glaubenspionier Unterdiakon Karl Schlotterer mit seiner achtköpfigen Familie nach Staad. In grosser natürlicher Armut, aber mit einem gewaltigen geistigen Vermögen brachte er mit eifrigem Mut das Zeugnis des neuapostolischen Glaubens unter seine Mitmenschen.

Leider stiess er unter den rauhen Fischersleuten auf grossen Widerstand, so dass er noch im gleichen Jahr nach Mörschwil verzog. Von dort aus besuchte er mit seiner Familie die Gottesdienste in St. Gallen. Eine gläubige Mutter betete um das tägliche Brot. Auch wenn die Familie ständig grösser wurde, hatten sie doch immer zu essen.

Auch die Mörschwiler mochten den "Sektierer" nicht. Bald musste die Familie wieder umziehen, dieses Mal nach Eschlen, einem Weiler am Rorschacherberg. Dank dem Bekennermut des Unterdiakonen nahm der Gedanke, in Rorschach eine Zweiggemeinde zu gründen, Gestalt an. Unerwartet kehrte eines Tages Apostel Bock bei der Familie ein. "Da unten ist ihr geistiges Arbeitsfeld", sagte der Apostel auf Rorschach zeigend, "da müssen Sie morgen eine Wohnung suchen!"

Der Segen lag auf dem Wort des Apostels: Ohne Mittel konnte Unterdiakon Schlotterer das alte Schulhaus im Loch erwerben. Das Haus war zwar mehr "Loch" als Schulhaus. Im Ziegenstall konnte aber die erste Versammlungsstätte eingerichtet werden: ein paar Pfähle in den Boden gerammt, ein Brett darüber - die Bänke waren bereit.

Im Jahre 1902 fanden die ersten Gottesdienste statt. Amtsträger aus St. Gallen, der spätere Bezirksältester Baumann, Hirte Gugger und Evangelist Bruderer, bedienten die Gemeinde. Die Frau des Diakonen Schlotterer überzeugte manche Menschen von der Apostellehre, so dass die Apostel Krebs und Bock in den Jahren 1903, 1904 und 1905 die ersten Seelen versiegeln konnten.

1907 wurde Diakon Schlotterer das Priesteramt anvertraut und er wurde gleichzeitig der erste Vorsteher der Gemeinde Rorschach. Dann, im Jahre 1907, zog man in ein grösseres Lokal im Städtchen Rorschach. Der erste Weltkrieg brachte manche Veränderung mit sich, doch wurde eifrig weitergearbeitet. Als dann der Vorsteher Schlotterer sein Amt niederlegte, trat an seinen Platz sein treuer Mitarbeiter, Priester Rudolf Hasler.

Zwanzig Jahre war er in der Gemeinde tätig. Aus seiner Zeit ist uns das Erlebnis überliefert, wie er weinend und betend auf einem Bänklein in einer Anlage sass und den lieben Gott bat, er möge ihm doch eine gläubige Seele zuführen.

Der liebe Gott führte ihm darauf hin einen Jüngling über den Weg, der die Einladung in den Gottesdienst annahm und mit seinen Eltern und seinem Bruder neuapostolisch wurde. Viele Gäste gingen ein und aus, die Gemeinde wuchs; im Jahre 1928/29 musste ein neues Lokal gesucht werden.

Als Apostel Güttinger davon hörte, ging er mit den Amtsträgern nach einem Gottesdienst auf Lokalsuche. Eine "Bude" in der Nähe der Nähfadenfabrik Mettler und Müller stach ihm ins Auge. Er schickte den damaligen Vorsteher, Priester Hasler, auf die Direktion. Das Lokal konnte gemietet werden.

Nach der von eigener Hand durchgeführten Innenrenovation zog die Gemeinde im Frühjahr 1929 ein. Apostel Hölzel weihte das Lokal, es waren über 320 Gottesdienstbesucher zugegen, etwa ein Sechstel davon zählte zur Gemeinde Rorschach.

Im Jahre 1932 wurde Priester Stutz - als 22-jähriger - Priester und Vorsteher der Gemeinde. Im Jahre 1946 gehörten bereits 224 Seelen zur Gemeinde. An der Greinastrasse 1 wurde dann im Jahre 1950 die heutige Kirche erbaut. Sie steht auf dem Grund der Richterstätte aus dem Mittelalter (ca. 1487) wo die zu Tode verurteilten am Galgen hingerichtet wurden. Die Gemeindemitglieder halfen mit viel Opferfreudigkeit beim Bau der schönen Kirche, die am 14. Mai 1950 durch Apostel Ernst Güttinger geweiht wurde.

Leider blieb die Gemeinde in der Folge nicht von Rückschlägen verschont. Der damalige Vorsteher und weitere Amtsträger mussten vom Amtsauftrag entbunden werden.

Priester Rohner, Vorsteher der Gemeinden Thal und
St. Margrethen, wurde zum neuen Vorsteher der Gemeinde Rorschach berufen.

Im Herbst 1954 wurden 26 Seelen versiegelt und Priester Rohner wurde ins Hirtenamt gesetzt. Er diente der Gemeinde während 23 Jahren als Hirte und Vorsteher in Freude und grosser Opfer-bereitschaft.

Im Februar 1955 zog Bischof Schneider mit seiner Familie und dem Vater, Apostel Schneider i.R. von Hüntwangen nach Rorschach.

Damit begann eine neue, grosse Segenszeit für die Gemeinde, die heute noch ihre wunderbaren Spuren zeigt. Apostel Schneider sen. verstarb leider schon nach wenigen Monaten. Als dann Bischof Schneider ins Apostelamt gesetzt wurde, wirkte sich dieses gewaltige Amtsvermögen noch mehr aus auf die Entwicklung der Gemeinde. So zählte die Gemeinde im Jahre 1965 bereits 368 Seelen.

Im Jahre 1977 entliess Bezirksapostel Urwyler den treuen Hirten Rohner in den wohlverdienten Ruhestand. In den folgenden Jahren wirkten Hirte Meiler, Bezirksevangelist Anliker, Hirte Kast und Hirte Bruggisser der Gemeinde Rorschach als Vorsteher.

Im Laufe des Jahres 1986 wurde der bisherige Bezirk St. Gallen-Ost aufgelöst und die Gemeinden wurden je nach geographischer Lage in die neuen Bezirke Graubünden, St. Gallen und Wil eingeteilt. Die Gemeinde Rorschach gehörte von nun an zum Bezirk St. Gallen.

 

 

Am 19. Februar 1995 versetzte Stammapostel Fehr unseren bisherigen Bischof Heinz Hauri in den Ruhestand. Da der Bischof im Gemeindegebiet wohnt, besucht er seither die Gottesdienste in Rorschach. Einige Jahre nach dem Heimgang von Apostel Rudolf Schneider i.R. freuen sich die Rorschacher, den Bischof i.R. in ihrer Mitte zu haben.

Am 19. Oktober 1997 setzt Apostel Keller den Vorsteher Hirte Bruggisser in den Ruhestand. Im gleichen Gottesdienst ordinierte er den bisherigen Priester Rancetti zum Hirten und übertrug im die Aufgabe des Vorstehers.

In all den Jahrzehnten wurde durch das Wirken des Heiligen Geistes fester Glaubensgrund geschaffen. Höhen und Tiefen haben die Gotteskinder und Gottesknechte gebildet und geformt.

Die Gemeinde Rorschach ist eine der 65'000 neuapostolischen Gemeinden weltweit. Für alle gilt das Ziel: am Tag der Wiederkunft Christi bereit zu sein.